Pressespiegel

Presse

2014

keine Pressemitteilungen vorhanden

...

Presse

2013

Leipziger Volkszeitung vom 05.03.2013

Bandberater - Bei Florian Friedrich laufen künftig die Fäden der Leipziger Musikszene zusammen

Die lebhafte Leipziger Bandszene hat jetzt einen festangestellten Ansprechpartner. Florian Friedrich soll im Auftrag der Bandcommunity vor allem nach Proberäumen suchen. Von MATHIAS WÖBKING


Wie vielfältig die Leipziger Bandszene tatsächlich ist, hat Florian Friedrich gleich an seinem ersten regulären Arbeitstag Anfang Februar erfahren. Am frühen Abend betraten die ersten zwei Klientinnen den Bandtreff, über den
ein riesiger Totenkopf Wache hält. „Zwei betagte Damen“, erzählt Friedrich. Sie hatten in der Leipziger Volkszeitung
von seiner Sprechstunde gelesen „und fragten mich, ob ich ihnen einen neuen Schlagzeuger vermitteln kann“. Ihr bisheriger Trommler sei 90 geworden und denke darüber nach, seine Musikkarriere zu beenden.
Auch wenn zum Stichwort „Leipziger Band“ die ersten Bilder im Kopf vielleicht anders aussehen: Das Swing und Jazz-Septett der beiden Musikerinnen gehört zu den geschätzten 300 Gruppen, die in den Proberäumen der Stadt an ihren Liedern feilen – und um die sich Friedrich, 30 Jahre alt und studierter Politikwissenschaftler, als erster  bezahlter Mitarbeiter der Bandcommunity fortan kümmern will.
Als „Projektkoordinator“ hat ihn der gemeinnützige Verein eingestellt, 40 Stunden die Woche, städtisch finanziert. Das Kulturamt hebt die institutionelle Förderung der Bandcommunity dafür 2013 auf 66 600 Euro an. Wie viel davon Friedrichs Gehalt ausmacht, ist der Initiative überlassen.
Bei Friedrich sollen die Fäden der Leipziger Bandszene zusammenlaufen. Er will Informationen über Auftrittsmöglichkeiten bündeln, zwischen Bands, die Musiker suchen, vermitteln und Musikern, die ohne Band sind. Vor allem jedoch möchte er die Bezeichnung als „Koordinator“ mit Blick auf die Proberäume in Leipzig erfüllen. Der
Bedarf sei „riesengroß“, findet auch Andreas Mehnert, im Kulturamt für Musikprojekte zuständig.
Immerhin bietet das Bandhaus, das die Bandcommunity im Sommer 2010 im Leipziger Westen eröffnet hat und dessen gut 30 Proberäume sofort ausgebucht waren, rund 40 Gruppen Platz zum Üben. Mehnert setzt große Hoffnung in die Initiative, dass sie die Situation auch darüber hinaus verbessern kann. „Die Bandcommunity ist wahnsinnig aktiv“, lobt er. „Ihr die Möglichkeit zu geben, einen festen Mitarbeiter einzustellen, war überfällig.“
Stefan Schliewe, einer von drei Vereinsvorständen, ist nicht nur froh darüber, dass er nun nicht mehr wegen jeder Kleinigkeit selbst ins Bandhaus fahren muss – denn Florian Friedrich ist ja zu seinen Dienstzeiten eh da. Vor allem aber freut er sich über die Wertschätzung, die in der städtischen Förderung zum Ausdruck komme. „Die sind an uns herangetreten und haben gefragt: Was können wir tun?“, erzählt er. Statt als Bittsteller um Zuschüsse zu betteln, fühle man sich „als Partner ernst genommen“.
Auch Friedrich fühlt einen „großen Vertrauensvorschuss“ von Seiten der Stadt. Und so sei er zwar gut damit beschäftigt, den Musikern im eigenen Bandhaus ein Ansprechpartner zu sein und die lange Warteliste zu verwalten,
will aber auch darüber hinaus Augen und Ohren offen halten. „Wenn Proberäume frei werden, zieht das oft nur unter Insidern Kreise“, sagt er. „Solche Infos will ich streuen.“
Als sich die Bandcommunity vor zehn Jahren gründete, war sie mit ihrer Internet-Plattform, auf der sich bis zu 400 Bands registrierten, Vorreiter in Sachen virtueller Vernetzung. Seit derlei jedoch via Facebook und Co viel breiter erledigt werde, sei für den Zusammenschluss der Leipziger Bands die Pflege persönlicher Kontakte in den Vordergrund getreten, so Schliewe. „Da ist es wichtig, dass ein Gesicht da ist, das man kennt und dem man vertraut“, ergänzt er und schaut auf den Vereinsangestellten, dessen Boss er einerseits ist, der aber andererseits auch über Schliewes eigene Position mitentscheidet: Friedrich ist seit zwei Jahren selbst eines von rund 40 Bandcommunity-Mitgliedern, nachdem er mit seiner damaligen Gruppe Calliphias in einen der Bandhaus-Proberäume gezogen war. „Meine Einarbeitungszeit war daher auch eher kurz“, sagt er und lacht.
Zwar spielen und hören Friedrich wie Schliewe privat am liebsten Metal, im Verein seien aber alle Stile gleichberechtigt, bekräftigen sie. Auf der Bandhaus-Warteliste rutschen die Bewerber allein je nach Zeitpunkt ihrer Anmeldung nach oben. „Von der jungen Ska-Formation bis zur Mitt-Vierziger-Bluescombo haben wir alles am Start“, sagt Friedrich. Schon beim Bessere-Zeiten-Festival, das die Bandcommunity von 2005 bis 2010 auf der Festwiese vor dem Zentralstadion stemmte, war stilistische Breite ja ausdrücklich Programm. Die Vielfalt, die zehn Jahre Bandcommunity mit sich gebracht haben, soll zum runden Geburtstag beim Hippie-Yeah-Festival am 13. Juli unter anderem eine Ausstellung im Bandhaus demonstrieren.
Dem Swing-Jazz-Septett seiner beiden ersten Klientinnen schließt sich der Metal-Schlagzeuger Florian Friedrich trotzdem nicht an. „Sie haben mich ja sogar gefragt“, sagt er und schaut fast ein bisschen stolz drein. Er habe zwar abgelehnt. „Aber mein Versprechen gilt: dass ich ihnen bei der Suche helfe.“

Presse

2012

Interview auf danielthalheim.wordpress.com

Klar Schiff im Leipziger Bandhaus: Stefan Schliewe über Kommendes und Werdendes

Vielen Leipziger Metallern wird Stefan Schliewe als Bandmitglied der MetalbandFaced Reality bekannt sein. Er kümmert sich aber auch um die Redaktion bei der Leipziger Bandcommunity. Weil vieles rund um die Bandcommunity und das Bandhaus erzählt werden muss, gab er mir ein Interview.
Seit 2010 gibt es das Bandhaus schon und ist bis unters Dach mit Bands voll. Aber noch immer kommen Anfragen wegen freien Proberäumen rein. Das ist aber nicht euer Problem, oder?
Ein Problem wäre es, wenn keiner anfragen würde. Erstaunlich ist aber, dass heute genauso viele Anfragen nach Proberäumen kommen wie damals als wir mit dem Bandhaus an den Start gingen. Wir könnten zweifelsfrei ein zweites eröffnen, das in kürzester Zeit wieder gefüllt wäre.
Der Bandcommunity wurde in der Vergangenheit oft nachgesagt, sich nur auf Metal und Punk zu beschränken. Welche musikalischen Stile findet man bei euch im Bandhaus?
Ich ärgere mich sehr über solche Meinungen. Wer uns nachsagt wir seien nur auf Metal, kennt uns wenig. Wir haben Postrockbands bei uns, Ambientprojekte, Balkan-Brass-Pop, Alternative Pop/Rock. Derzeit haben wir Anfragen wegen Hip-Hop-Workshops und Trommelkursen. In unserem Projektraum für kurzfristige Tageseinmietungen haben wir eine Sambagruppe und verschiedene andere Projekte, die mit Metal rein gar nichts zu tun haben. So in der Art wie das derzeit bei Jugendtreffs und Kulturzentren läuft. Ich würde behaupten, dass unser Bandhaus musikalisch bunt gemischt ist.
Ein gewisser Schlag zum Metal ist aber offensichtlich da…, bei Konzerten zumindest spiegelt sich das wieder.
Die Konzerte reflektieren meines Erachtens das Engagement der im Bandhaus aktiven Veranstalter. Am Anfang war das so, dass in diesem Wirkungskreis sich die Neuigkeiten rund ums Bandhaus schneller herumgesprochen haben. Jetzt braucht man einfach bei uns reinschauen. Dann merkt man schnell, dass auch andere Veranstaltungen bei uns gemacht werden. Ich denke mal nur ans „Hippie Yeah!“ in diesem Jahr – oder ich denke an die „Wanderratten“ mit ihrer Folkmusik. Jahrelang haben wir auch Alternative-Konzerte veranstaltet. Eine Zeit lang lief das recht schlecht in Leipzig. Generell gilt: Egal wer aus welchem Musikspektrum kommt erhält einen Raum. Na ja, Schlager weiß ich nicht so recht, oder Country…, obwohl bei Country würde ich nicht unbedingt Nein sagen… Ich schätze mal, dass Sebastian Krumbiegel nicht zu uns kommen würde. (Lacht)
Eurer „Bessere Zeiten“-Festival war auch recht bunt gemischt…
Richtig, da achteten wir auch auf eine gute Mischung. Jetzt ist auch die „Katha“ (Katharina Bretschneider, u.a. Kulturmanagerin, Veranstalterin in Leipzig, Anm. d. Verf.) bei uns dabei, die das „Hippie Yeah“ mit uns veranstaltete. Man merkt, die Mischung entsteht dann, wenn die entsprechenden Leute sich dafür engagieren. Würde ich als Metaller ein Alternative Pop-Konzert veranstalten, würden mir das die Leute nicht abnehmen.
Hat sich das Bandhaus als Konzertlocation etabliert?
Definitiv! Anfangs war alles recht schwierig, wegen der relativ abgeschiedenen Lage. Inzwischen spricht sich das Bandhaus herum. Uns überraschte, dass auch das ‚Grungopalooza“ bei uns auf größere Resonanz stieß als noch im Vorjahr als es in der Moritzbastei stattfand. Eine Punkrock-Grunge-Veranstaltung hatten wir 2011 auch gemacht. Aber damals fanden die Leute nicht zu uns heraus.
Die australische Band „Valentiine“ lobte das Konzert im Bandhaus, kam mir zu Ohren.
Fantastisch! Von anderen Bands aus dem Ausland bekommen wir auch mit, dass sie sehr dankbar sind. 2011 waren norwegische und schwedische Bands bei uns,
Franzosen, Tschechen, Polen, Argentinier und Dänen ebenfalls. Eine Gruppe aus Frankreich erzählte uns, dass sie teilweise in schlimmen Kaschemmen auftritt.
Können die Bands bei euch übernachten?
Ja! Wir haben in der oberen Etage einen Mehrzweckraum, wo Klappliegen stehen. Das Angebot wird derzeit häufig benutzt, weil es bequemer ist und die Musiker auch gleich etwas feiern können. Lay Down Rotten ist sogar einen Tag früher nach Leipzig gekommen, um in den Zoo gehen zu können. Die Band übernachtete dann auch im „Bandhaus Hostel“.
Wie ist der allgemeine Stand der Dinge bei euch?
Es geht halt alles nicht so schnell. Inzwischen haben wir die großartige Open-Jam-Session als regelmäßigen Musikertreff installiert. Vorher gab es auch schon ähnliche Geschichten wie die offenen Bühnen in den Leipziger Kneipen wie in der Gohliser Wirtschaft. Diese Leute hatten sich damals auch bei „Gohlis rockt“ stark engagiert. Das war eine coole Sache! Jetzt sind bei uns mit Frank und Vicky zwei Leute dabei, die mit der Jamsession „back to the roots“ gehen. Oft kann ich nicht dort sein, aber die Sessions verlaufen flüssig, witzig, locker. Das ist wunderbar! Gestandene Rocker stehen mit Greenhorns Seite an Seite und probieren sich aus. Da muss ich zugeben, dass ich bislang noch nicht so eine Dynamik gesehen habe wie bei den Jamsessions. Da tauchten Leute auf, die ihre Blasinstrumente mitbrachten. Da war ich ziemlich erstaunt. Ich sage immer wieder: Wenn neue Leute dazukommen, passiert auch was Neues!
Pläne?
Gab es, gibt es und wird es immer geben. Pläne müssen wir kapazitätentechnisch immer weit in die Zukunft legen. Erst wenn sich etwas realisieren lässt, setzen wir Pläne um. Das Bandhaus an sich ist auch ein Plan, der seit über zehn Jahren existiert. Die Idee, einen Kiosk, einen Treff im Bandhaus zu installieren ist locker acht Jahre alt. Wenn wir es schaffen, wollen wir das Bandhaus erweitern. Wir sehen den Bedarf und den wollen wir auch decken. Das ist das elementare Projekt, das gerade bei uns organisatorisch voran steht. Es ist auch ein offenes Geheimnis, dass das Leipziger Kulturamt ein Stück weit an uns heran trat und fragte, was es von uns in den kommenden Jahren erwarten kann.
Und was kann es erwarten?
Erst einmal dachten wir daran, was ihr innerhalb des bestehenden Bandhauses an Ressourcen aufmachen können. Aber ausbauen können wir nicht, da sind uns ja die Hände gebunden. (Lacht)
Nach oben ist immer Platz?
Wir sind gerade akut daran, welche anderen räumlichen Möglichkeiten es in Leipzig gibt.
Die Stadt Leipzig wünscht sich einen Koordinator, der zwischen Bandcommunity und Kulturamt unabhängig steht und nach geeigneten Räumen sucht. Wer soll das sein?
Zur Zeit prüfen wir drei Personalien, weil mit der Arbeit ja auch noch ein wesentlich anderer Zeitaufwand entsteht. Aber wir sind nicht die einzige Anlaufstelle, wo Proberäume existieren. Der Punkt ist aber, dass die anderen Häuser nicht konkret betreut werden und somit Ansprechpartner fehlen. Im Hupfeld Center probte ich ja selber, wo alles über Selbstverwaltung etagenweise erfolgte. Gemütlich, aber dadurch, dass vor Ort ein Ansprechpartner fehlte, der auch mal durchs Haus geht und notfalls mal die Bands wegen ihres Verhaltens rügt, schraubte sich die gegenseitige Rücksichtnahme ein Stück weit herunter. Wenn dann ein Vermieter oder Eigentümer kommt, der greift sich an den Kopf, weil alles aus dem Ruder läuft. Eine Vorort-Betreuung ist natürlich das A und O.
Inzwischen geht es im Hupfeld Center entspannt weiter, Kick The Flame bzw. Echolux macht unbeirrt vom Gerede um die Piano-Forte-Fabrik weiter, Bands ziehen wieder hin…
Kann ich nur bestätigen! Als das Anfang 2010 mit den Mietsteigerungen dort anfing, waren wir als Band schon raus. Aber eine gewisse Dramatik muss in dem darauf folgenden Vorgang schon gewesen sein, sonst wären mit einem Schlag nicht so viele Bands ausgezogen.
Konkurrenz für euch als Bandhaus?
Würde ich nicht sagen. Es ist ja nicht so, dass nur ein Verein die gesamte Organisation von Bandproberäumen übernehmen braucht.
Wie sieht es mit euren zeitlichen Kapazitäten aus?
Derzeit ist es so, dass wir alle entweder arbeiten oder studieren. Unsere ehrenamtlichen Stunden summieren sich zu einem zweiten Job auf!
Dann wartet immer viel Arbeit rund ums Bandhaus auf euch. Viel Erfolg für 2013!
Quelle: http://danielthalheim.wordpress.com/2012/11/05/klar-schiff-im-leipziger-bandhaus-stefan-schliewe-uber-kommendes-und-werdendes/

Leipziger Volkszeitung vom 30.01.2012

Vom Stammtisch zum Konzertkeller

Die Bandcommunity Leipzig ist für Nachwuchsmusiker Ansprechpartner in (fast) allen Fragen

Hier dreht sich alles um Musik: Der Verein Bandcommunity Leipzig organisiert Konzerte und Festivals, sogar ein Volleyballturnier für die Musikszene der Stadt steht einmal im Jahr auf dem Programm. Vorläufiger Höhepunkt im Vereinsleben: Das Plagwitzer Bandhaus, in dem 40 Leipziger Bands ihren Proberaum gefunden haben. Es war purer Frust, der Ende 2003 zur Gründung der Bandcommunity führte. „Es gab damals keine Auftrittsmöglichkeiten für Nachwuchsmusiker, weder ausreichend Räume noch jemanden, der sich darum gekümmert hätte“, erinnert sich Gründungsmitglied Stefan Schliewe, damals Mitte 20 und selbst Sänger einer Band.

Ein halbes Jahr habe man rotieren müssen, um mit ein bisschen Glück in einem Jugendclub wie dem Mühlkeller oder der Villa auftreten zu können. Auf der einen Seite standen die Bands, die gern spielen wollten, auf der anderen Seite zahlreiche junge Leipziger, die viel öfter Konzerte besuchen wollten. Schliewe und ein paar weitere Musiker beschlossen, auf Jugendclubs und Kneipen zuzugehen, um deren Räume verstärkt für Konzertreihen zu nutzen. Und sie wollten mal schauen, welche Bands es in der Stadt überhaupt gibt, sie vielleicht sogar zusammenbringen. Die Bandcommunity war geboren. Schon bald organisierte eine Handvoll ehrenamtlicher Vereinsmitglieder mindestens drei Veranstaltungen pro Monat – zwei Konzerte und einen Musikerstammtisch, bei dem die Bandcommunity- Macher zu verschiedensten Musik- Themen referierten. Im Internet wurde eine Bandliste eingerichtet, in die sich jeder eintragen konnte. „Die Resonanz war riesig“, so Katja Engemann vom Verein, „nach einem halben Jahr hatten sich schon 180 Bands eingeschrieben, später waren es sogar 300.“ Fast täglich gingen die Vereinsmitglieder nun zu Konzerten und Record-Release- Partys, schrieben Rezensionen und bewerteten nebenbei die Demo-CDs, die plötzlich massenhaft bei ihnen landeten. „Manchmal hatten wir vier Termine an einem Abend“, erzählt Schliewe und schüttelt fast ungläubig den Kopf darüber. „Das hat zwar alles Riesenspaß gemacht, war aber auf Dauer nicht durchzuhalten. Wir mussten ja am nächsten Morgen auf Arbeit.“ Mittlerweile hat sich die Situation geändert. Bandlisten, Stammtische und Rezensionen sind in Zeiten von Facebook und MySpace unwichtig geworden – Interessierte informieren sich auf den einschlägigen Seiten im Internet und tauschen dort ihre Meinungen aus. Auch Auftrittsmöglichkeiten existieren inzwischen genug.

Dafür gibt es ein neues Problem: Durch Haussanierungen fallen immer mehr Proberäume weg. So war es wie ein Fünfer im Lotto, als die Bandcommunity nach jahrelanger Suche in der Saarländer Straße 17 auf einen sanierten, fast leeren Bürokomplex stieß. Der Verein hat das Gebäude im Sommer 2010 vom Besitzer gepachtet und kümmert sich nun um die Vermietung. „Aus den leeren Büros wurden Proberäume, und alle waren im Nu vergeben“, freut sich Katja Engemann. Die 34-jährige Rechtsanwaltsgehilfin hat Erfahrungen in der Immobilienverwaltung und ist nun Ansprechpartnerin im Bandhaus. Sogar ein Kiosk wurde eröffnet, in dem es neben Getränken und Snacks auch Gitarrensaiten und Schlagzeugstöcke gibt. Größter Stolz des Vereins ist aber der hauseigene Konzertkeller, der bis zu 150 Gästen Platz bietet und mit viel Technik sowie einer großen Bühne ausgestattet ist. Die Bandcommunity zählt derzeit 37 Mitglieder im Alter zwischen 20 und 40 Jahren, von denen etwa ein Drittel aktiv mitarbeitet. Zu tun gab es bei 23 Konzerten im vergangenen Jahr genug: Veranstaltungsplanung und -organisation, Auswahl, Buchung und Betreuung der Bands, Einlassdienste, Catering, Abrechnungen, Pressearbeit, Flyer herstellen und verteilen, Sponsorensuche und mehr. „Burning Ballroom“ nennen sich die von der Bandcommunity organisierten Konzerte, ein zweitägiges „Burning Ballroom“-Winterfestival wird das (Konzert-)Jahr 2012 demnächst einläuten. Fester Bestandteil im Bandcommunity-Programm sind auch die „Stubenrocker“-Abende, bei der dreimal im Jahr Leipziger Schulbands ihr Können unter Beweis stellen. „Da sind die Jüngsten gerade mal zwölf, und trotzdem hatten wir schon bis zu 120 Gäste beim Stubenrocker-Konzert“, so Engemann, die selbst drei Kinder hat. Veranstaltungshöhepunkt war 2011 das Festival „Hippie Yeah“ auf dem Bandhaus- Gelände, das das „Bessere Zeiten“- Festival der letzten Jahre abgelöst hat.

Mit den Planungen für den kommenden Sommer beginnen die Bandcommunity- Macher dieser Tage. Fest steht schon der Termin für „Sport ist Mord“, das alljährliche Volleyballturnier der Musikszene: Es wird am 2. Juni im Stadtteil Mockau ausgetragen. „Als Veranstalter ist die Bandcommunity natürlich auch mit einem Team vertreten“, kündigt Schliewe an und fügt schmunzelnd hinzu: „Aufs Siegertreppchen werden wir es wohl auch diesmal nicht schaffen.“ Konzerte, Bandhaus, Volleyballturniere – mindestens ein, zwei Stunden sind Schliewe und Engemann täglich nach Feierabend für ihren Verein im Einsatz. „Ehrenamtlich“, wie sie betonen. Neben Familie und Arbeit bleibt trotzdem noch Zeit für Hobbys: Sie trainiert eine Kinderschwimmgruppe, er fährt Motorrad. Seine Metal-Band hat sich kürzlich nach elf gemeinsamen Jahren aufgrund einiger Wegzüge aufgelöst. Schliewes Wunsch für die nahe Zukunft: Im Bandhaus mal ein Hip-Hop-Konzert auf die Beine zu stellen. „Leider habe ich von dieser Musik zu wenig Ahnung, so dass ich für ein paar Kontakte sehr dankbar wäre“, sagt der 33-jährige Erzieher. Also Hip-Hopper: Meldet euch! Auch alle anderen Musikrichtungen sind natürlich willkommen. Heidi Gruner

Leipziger Volkszeitung vom 27.01.2012

„Wir sind dicht“ – Leipzigs Musiker und der Platzmangel

„Es gibt Tage, an denen bekommen wir drei bis vier Anfragen. Mindestens aber eine. Jeden Tag.“ Katja Engemann von der hiesigen Bandcommunity weiß, dass die Proberaum-Situation in Leipzig mehr als schwierig ist. Zu gern würde sie Abhilfe schaffen, doch das von der Community im Juli 2010 eröffnete und von ihr geleitete dreigeschossige Bandhaus in Plagwitz ist mit über 30 Combos komplett ausgebucht. „Wir sind dicht.“ Bei geschätzten 300 Nachwuchskünstlern ist der Bedarf in der Stadt jedoch enorm und die Lage verschärft – denn nach der Schließung der Räume in der Göschenstraße (siehe Bericht oben) gibt es seit Jahresbeginn wieder 30 Bands, die Obdach suchen. Ein Proberaum-Sterben, das an den Auszug von rund 50 Gruppen aus dem bis dato größten Probezentrum, dem Hupfeld-Center in Böhlitz- Ehrenberg, vor genau zwei Jahren erinnert. Damals hatte der Vermieter, die traditionsreiche Klavierfabrik Pianoforte, Insolvenz angemeldet. Der Komplex wurde verkauft, der neue Eigentümer verdoppelte die Miete – unbezahlbar für die meisten Hobby-Musiker. Jürgen Kasek, Vorstandssprecher der Leipziger Grünen, hatte dort selbst Bass gespielt und erkennt auch zwei Jahre später noch die Problematik der Unterversorgung: „Das Thema Proberäume ist immer aktuell. Wir als Grüne setzen uns jetzt wieder zusammen, um Lösungsvorschläge zu erörtern.“

Ein zweites Bandhaus müsste es geben, nur eben größer, sagt er. „Es ist aber sehr schwierig, dafür eine passende Immobilie zu finden.“ Sinnvoll sei ein Band-Zentrum nur mit geeigneten Stromkreisen und sanitären Anlagen auf jeder Etage. „Und das Umfeld muss natürlich eins wissen und akzeptieren: So ein Haus ist laut.“ Zwar gibt es quer über den Stadtplan verteilt einzelne Gebäude, in denen zwei, drei Handvoll Gruppen üben dürfen. Auch in soziokulturellen Zentren ist das möglich. Doch Leipzig fehlt anscheinend noch immer der Wille, ein städtisches Band-Zentrum zu schaffen, das sich als kulturelle Einrichtung versteht, die Szene fördert und deren Wert erkennt. Bis das geschieht, proben Dutzende Nachwuchskünstler weiter unter katastrophalen Umständen in zweitverwerteten Ex-Büros, die keinen anderen Mieter finden. Ein Zustand, der mit entsprechender Förderung abgeschafft werden könnte. „Populäre Musik erhält in Leipzig im Vergleich zur Hochkultur einen verschwindend geringen Anteil an finanzieller Unterstützung“, schreibt die LeISA GmbH in ihrer Bandstudie 2010. Während das Gewandhaus 2010 gut 15 Millionen Euro und die Oper knapp 41 Millionen Euro erhalten hätten, sei für die gesamte Freie Szene nur 3,7 Millionen Euro vergeben worden – wovon knapp 300 000 Euro in die Förderung von Popularmusik geflossen sei. Zwar unterstützt das Kulturamt die Bandcommunity mit einer institutionellen Jahresförderung (2010: 30 000 Euro, 2011 und 2012: 37 500 Euro) und vermittelte auch den von Studenten gegründeten Verein Kulturhaus Leipzig bei seiner Idee, ein eigenes Probehaus zu gründen, an einen Investor weiter (siehe Beitrag rechts). Das Bandhaus selbst aber habe nie eine Förderung erhalten, sagt Engemann.

Und so scheint es, die Stadt schiebe die Schaffung, Organisation und Verwaltung eines Zentrums für Nachwuchskünstler lieber anderen Organisationen zu. „Außerdem“, sagt Linken- Stadträtin Juliane Nagel, „ist der Bedarf weit größer, als ihn das Bandhaus abdecken könnte“. Nagel hatte schon 2010 hatte eine Anfrage an Kulturbürgermeister Michael Faber (parteilos) gestellt, welche städtischen Flächen für Proberäume zur Verfügung stünden. Die damalige Idee Fabers, „auf dem Gelände des agra-Messeparks Infrastruktur für Bands zur Verfügung zu stellen, ist aber nicht fortgeschritten“. Ganz im Gegenteil: Anfang Oktober sei dort allen Bands aus etwa 20 Proberäumen gekündigt worden. Gleichzeitig sei zwar eine andere Halle zur Verfügung gestellt worden – diese aber wesentlich kleiner und sofort ausgebucht gewesen. „Die Stadt kommt nicht in die Gänge“, kritisiert Nagel. Deshalb hat die Linke am Mittwoch im Stadtrat beantragt, erneut zu prüfen, welche Grundstücke für die Einrichtung von Proberäumen infrage kommen. Bis sich daraus ein Beschluss ergibt, „wird es aber noch mindestens zwei Monate dauern.“ Bandhaus-Chefin Katja Engemann im Proberaum von „Sympathy for the Devil“. Tobias Ossyra/Annika Pätzold

Presse

2011

keine Pressemitteilungen vorhanden

...

Presse

2010

Leipziger Volkszeitung vom 30.08.2010

Nässere Zeiten

Auch ohne Sommer überzeugt das Bessere-Zeiten-Festival 2000 Zuschauer mit feinen Bands der Region

Für die Besucher und ambitionierten Organisatoren von Festivals scheint dieser Spätsommer ziemlich wenig übrig zu haben. Auch das Bessere- Zeiten-Festival, das am Samstag zum sechsten Mal stattfand, musste schwer gegen die Witterung ankämpfen. Dabei zeigten sich die meisten der zehn Bands, die auf Einladung der Bandcommunity Leipzig auf der Festwiese spielten, durchaus überzeugend.

Von THERESA WIEDEMANN

Seit dem Nachmittag verdingen sich die am Ende circa 2000 Besucher vorm Zentralstadion auf dem umzäunten Gelände mit vereinzelten Zelten. Manche versuchen, sich mit den siebenmeilenstiefelartigen Bounce-Gerätschaften fortzubewegen, andere widmen sich lieber Bratwurst, Bier oder Cocktails. Über eine gespannte Leine auf der Wiese spielt man Tennis, während im Zelt einer Wohnungsgenossenschaft am Glücksrad blaue Frisbee-Scheiben gewonnen und ein paar Meter weiter Bierkästen in luftige Höhen gestapelt werden. Alles ist auf Sommer ausgelegt, doch der will nicht recht. Ein straffer Zeitplan regelt die Auftritte der teils bekannteren, teils unbekannten Bands. So stehen Artbreak Heartshop aus Dresden auf der Bühne, die Leipziger Rockband Nevamind tritt auf und anschließend folgt die Death core-Combo Arranged Chaos. Wie jedes Jahr zeigt das Festival, das traditionell keinen Eintritt kostet, einen Querschnitt dessen, was in der regionalen Musiklandschaft passiert. Junge Nachwuchsbands bekommen eine Plattform für sich und stehen neben lokalen Profis auf der Bühne. Zu letzteren zählt zum Beispiel die Indie- Band Lament aus Bad Lausick. Für deren Musik bietet die Festwiese die optimale Kulisse, auch wenn sich ihr Aggregatzustand zusehends weiter von fest nach flüssig transformiert. Irgendwo zwischen U2, Muse und Radiohead mit rockigen Einschlägen bewegt sich das Konzert, das die Gewinner-Band des MTV-Rookie-Wettbewerbs sehr konzentriert bestreitet. Melancholisch, klar und pathetisch hallt die Stimme des Sängers Sebastian Söllner am Stadion wider, als es dunkel wird. Die Herren, die anschließend die Bühne erklimmen, drehen das Stimmungsschräubchen in eine ganz andere Richtung. Die Madrhymaz aus Dresden rappen zu manchmal pompösen, manchmal eher dem Ska entlehnten Beats vom (leider nicht vorhandenen) „Arschbombenwetter“ und über die weite Verbreitung der Illuminaten. Mit einer großen Prise entwaffnender Selbstironie und einnehmender Selbstverständlichkeit präsentieren sie Textzeilen wie „Deine Mutter käm’ gern aus Sachsen, Sachsen!“. Witzige, kurzweilige Lyrics schmücken bei ihnen Songs, die in die Beine gehen. Als die letzte und wahrscheinlich bekannteste Band des Festivals ihr Konzert beginnt, regnet es wieder. Doch das spielt eine untergeordnete Rolle, denn auf der Bühne steht: die Sonic Boom Foundation, die man in Leipzig gar nicht mehr so häufig zu Gesicht bekommt. Einzigartig verbindet sich die Coolness elektronischer Musik mit der brachialen Wildheit von Rock, was vor allem live gut funktioniert. Schwarz-weiße Filmausschnitte flackern über die Bühne, während Songs wie „Alien To Me“ die Zuschauer belohnen, die bis jetzt in Kälte und Regen ausgeharrt haben. Dass beim Tanzen vor der Bühne der Matsch spritzt, merkt kaum noch jemand. Dabei neigt sich ein Tag seinem Ende, der so schön hätte sein können, wenn nur ... Die Veranstalter zeigen sich später trotzdem zufrieden. „Wir sind sehr glücklich, dass wir hier nicht komplett weggeschwommen sind und die Leute so gut mitgefeiert haben“, meint Katja Engemann, die Projektleiterin des Festivals von der Bandcommunity. So bleibt die Hoffnung auf ähnlich gute Musik und bessere, weil vor allem niederschlagsärmere Zeiten im nächsten Jahr.

Weitere Fotos: www.lvz-online.de/kultur

Leipziger Internet Zeitung vom 29.08.2010

Bessere Zeiten auf der Festwiese am Sportforum

Joey Adler fixiert hinter seiner Fliegenbrille das versammelte Publikum. Dann spritzt der Schlamm unter dem Stampfen der Fans auseinander. The Sonic Boom Foundation räumen auf dem Bessere Zeiten Festival 2010 gehörig ab. Das BZ hat wieder zu neuer Stärke gefunden.

Doch zunächst ein paar Fakten. 2005 fand das erste Festival auf der Festwiese am Sportforum statt. Rund 3.500 Schaulustige feierten 13 Musikgruppen bei dem Angebot, das ohne Eintritt seither mit Familienangeboten und Musik Leipziger anlocken will. Nicht zuletzt sollen die Leipziger selbst sehen, dass die Messestadt Bands zum Vorzeigen hat.

Fünf Jahre später ist das Ziel nicht verwässert. Die Undergroundfahne wehte 2010 besonders hoch, weil die Bandcommunity Acts wie Lament, Arranged Chaos und The Sonic Boom Foundation ganz nach oben gestellt hat. Bands wie Nevamind und Madrhymaz sorgten ebenfalls für Stimmung.

Trotz kurzen Schauern, frischem Wind und Schlamm unter den Füßen, ließen sich dieses Jahr rund 1.000 Besucher nicht beirren, genossen seit dem Nachmittag Gegrilltes, Bier und Musik. Bei letzterem sorgt die Bandcommunity für eine gesunde Mischung. Jeder soll seine Chance haben. Rocker teilen sich friedlich die Bühne mit Rappern, Poppern und Metallern.

Während The Squibs, Over Body Free, Die Optrien und Star Roxx noch mit kräftigen Schauern kämpfen mussten, klart der Himmel während der frühen Abendstunden zusehends auf und lässt die Sonne auf die Alternative-Rocker Nevamind scheinen, die ihr dreiviertelstündiges Programm lässig und mit zurückhaltenden Posen zocken. Ihren Auftritt mussten die Leipziger vorziehen, weil die eigentlich um diese Uhrzeit auftretende Band noch nicht vollständig war.

Dafür haben ArtbreakHeartshop wenig später die Gelegenheit die Gäste von ihrem Duettgesang zu überzeugen. Die Beifallsbekundungen bleiben zwar Mangelware, aber das Interesse ist groß - alles lauscht. Erste Fans mit Playmobil-Frisuren und bunten Metalshirts tauchen schon auf. Sie haben gehört, dass ihre Helden aus dem Leipziger Metal-Underground, Arranged Chaos, auf dem Festival spielen werden.

Sie sollten nicht enttäuscht werden. Mit einem langen Einstieg aus der Konserve wummern schwere Riffgewitter über das Festivalgelände. Das Bessere Zeiten Festival hat wohl noch nie eine so harte Band im Programm gehabt. Die fünf Leipziger setzen ihren Schwerpunkt auf ihr aktuelles Debütalbum "As Time Goes By ..." und überzeugen die anwesenden Anhänger mit tiefem Grunzen, aufjaulenden Gitarrenklängen und heftigem Trommelgebimmel aus dem Hintergrund.

Nach einer so heftigen Prügelattacke und Sonnenschein kann alles nur matter klingen. Lament machen ihrem Namen aller Ehre und sind sichtlich müde geworden. Auch wenn das stets putzmuntere Moderatorenpaar Lament als MTV Wettbewerb-Band groß ankündigt, ein neues Album offeriert, bleiben die Fans zahlenmäßig und gedanklich sichtlich weg bei dem poppig-rockenden Ereignis.

Erst als die 1996 als The Cure-Coverband gegründete Kapelle ihre frühen Anleihen zur berühmten Gothic-Formation auspackt, werden der spielerische Glanz und die gesangliche Sicherheit von Sebastian Söllner offenbar. Vielleicht hat hier das Wetter zugeschlagen, es fühlt sich nach den letzen Sonnenstrahlen alles etwas nasskalt an - vor und auf der Bühne.

Mit dem endgültigen Einbruch der Dunkelheit kommt wieder Leben in die Bude. Die lustigen Rapper von Madrhymaz haben es doch noch auf das Festivalgelände geschafft und zeichnen mit ihren Kinderliedtexten ein breites Lächeln auf jedes einzelne Gesicht der Besucher.

Das ist auch nach dem vorigen Trübsal auch nötig, denn aufziehende Frische und die Feuchtigkeit steigt in die Sachen und das Publikum muss sich mit stimmungsvoller Musik warm klopfen. Das schaffen die Madrhymaz mit Leichtigkeit und sind würdige Anheizer für eine Kapelle, die zu Leipzig gehört, wie wohl keine andere.

Als Joey Adler, Frank Raabe, Hendrik Pietsch und Steffen Gräfe die Bühne entern, werden die wenigsten des jünger gewordenen Publikums noch wissen, dass zwei der Herren bereits in einer anderen Leipziger Combo um Weltruf zockten. Mit Think About Mutation hatte Leipzig bis 2002 eine Crossover-Band vorzuweisen, die Rock mit Techno vermischte und einige Hits im Stammbuch stehen hat.

Nun ist The Sonic Boom Foundation an ihre Stelle getreten, jedoch weitaus aggressiver, klarer und live einfach besser. Mit ihrem aktuellen Werk "Bad News Always Good News" unterm Arm steigen die vier Musiker auch ein und sorgen spätestens mit früheren Liedern für ausgiebige Bewegung beim Publikum, das immer wilder wird zum Ausgang der Show.

Joey Adler fixiert hinter seiner großen Sonnenbrille die Fans und sorgt für klare Ansagen ans versammelte Publikum. Spätestens wenn Adlers groovendes Bassspiel einsetzt und mit Hendrik Pietsch den Takt vorgibt, spritzt die zu Schlamm zerstampfte Wiese unter den Füßen der Besucher auseinander. Die Meute feiert einen Song nach den anderen und fordert nach einer Stunde Spielzeit berechtigt nach Zugaben.

Diese wollen Sonic Boom Foundation auch spielen, aber 2010 müssen die Veranstalter den Auflagen nachkommen, dass der Zauber spätestens um 23 Uhr vorbei sein soll. Es gibt im angrenzenden Waldstraßenviertel offenbar Leute, die am Samstag Abend früh ins Bettchen steigen wollen und sich nicht wirklich für eine aufstrebende und engagierte Jugendkultur interessieren.

Auch wenn die Show von Sonic Boom Foundation hätte länger dauern können, bleiben die Fans ruhig und ziehen sich zu den noch geöffneten Bierständen zurück. Der eine oder andere vermisste zwar den auf den Flyern angekündigten Vöner-Stand, die rein vegane Speisen anbieten, aber ein herzhafter Biss in ein kross gebratenes Schnitzel oder eine Kelle aus der dampfenden Gulaschkanone tut es auch. Die Veganer haben jedoch nichts zu lachen - vielleicht ja 2011.

Bessere Zeiten Teil 6 hat wieder einmal gezeigt, wie lebendig die Musikkultur in Leipzig ist und welche interessanten Pflänzchen hier wachsen. Auch wenn der Wettergott den einen oder anderen Gast Zuhause vor die Flimmerkiste zwang, haben doch 1.000 Besucher den Weg auf die Festwiese gefunden. Verglichen mit der höheren Besucherzahl des ersten Festivals dieser Art ein guter Schnitt, den so manches Szenefestival erst erreichen muss. Die Vorbereitungen zur siebten Fortsetzung werden in Kürze wieder anlaufen.

Denn auch 2011 heißt es wieder: Bessere Zeiten auf der Festwiese am Sportforum.

Daniel Thalheim

Quelle: http://www.l-iz.de/Kultur/Musik/2010/08/Bessere-Zeiten-Festival-Wasser-Schlamm-Musik.html

Leipziger Volkszeitung vom 09.08.2010

Warm up auf hohem Niveau

Bessere Zeiten für junge Bands. Zum Warm up für das große Festival am 28. August gab es in der Moritzbastei ein Schnupperkonzert mit drei Bands, die es diesmal nicht ins Programm geschafft haben. Gleich vorweg: Wenn sie sich für die Festwiese tatsächlich noch Besseres aufgehoben haben, muss einem um das Niveau des Festivals nicht bange sein. Denn schon an diesem Abend waren überzeugende Vorstellungen zu erleben. Plasmic Ocean hatten es am Anfang nicht leicht. Ihr hochkomplexer Progmetal zwischen Dream Theatre und Opeth braucht einen konzentrierten, wenigstens aufmerksamen Hörer.

Diese Spezies wird mit anspruchsvoller Frickelmugge belohnt. Ganz anders der Ansatz von Daniel Orange, die mit hemdsärmeligem Geradeausrock die Menge fast aus dem Stand zum Hüpfen und Mitklatschen bringen. Ist der Abend bis hierher schon höchst vergnüglich, so geht es mit P:hon noch eine Liga höher. Furchtlos bietet das Septett aus Dresden introvertierten Shoegazer- Rock ohne Ansagen oder andere Anbiedereien ans Publikum. Dafür überzeugen eine hochsensible und, wenn es darauf ankommt, brachialmotorische Rhythmuseinheit, zwei schöne Gitarren, endlos weite Keyboardflächen, eine traumverlorene Stimme und als Sahnehäubchen auf der Sonor-Torte sogar ein ätherisches Theremin.

Beste Zutaten für sphärische Werke, die ganz sanft beginnen und den Zuhörer unmerklich immer tiefer in ihren Bann ziehen, um ihn am Ende einer zauberhaften Reise durch surreale Klanglandschaften einer gnadenlosen emotionalen Eruption auszusetzen. Sie haben es nicht so leicht in der Allgemeinatmosphäre einer Samstagnacht, wo etliche Discogäste schon mal reinschauen, um den Umstehenden ungerührt und lauthals während der leisesten Momente ihr schönstes Ferienerlebnis zu erzählen. Doch Gott sei Dank spülen die Noise-Orgien solche Zaungäste regelmäßig nach draußen.

Es ist wahrscheinlich ohnehin das Schicksal dieser Band: Von einer Menge, die nicht genau weiß, was da auf sie zukommt, finden sich nach einiger Zeit wohl zwei Drittel einigermaßen überfordert draußen an der Bar wieder. Die anderen aber stehen da, die Seelen weit offen und meist auch die Münder vor Staunen. So jedenfalls in der MB. Mit leuchtenden Augen verlassen die neuen P:hon-Fans nach viel zu kurzem Konzert die Tonne und versichern sich gegenseitig, Zeuge einer Sternstunde gewesen zu sein.

Da haben sich die Bessere- Zeiten-Macher den Ball verdammt weit vorgelegt... Lars Schmidt

Leipziger Volkszeitung vom 12.07.2010

Ein Haus, das rockt

Räume für ungestörtes und unstörendes Proben: Die Leipziger Bandcommunity präsentiert in Plagwitz das Bandhaus

Viele junge bis mitteljunge Leipziger leben sich in Bands aus. Doch was die Räumlichkeiten für ungestörtes und unstörendes Proben angeht, ist die Lage oft prekär: Den Musikern fehlt der Platz. Einen ersten Vorstoß in Richtung einer Problemlösung wagt jetzt die Bandcommunity, die am Freitagabend stolz ihr neues Bandhaus präsentierte. Vielleicht gehört es ein bisschen dazu: Etablierte Bands werden, nach ihrer Historie befragt, oftmals nicht müde, von den ersten Probenräumen zu erzählen – unglaublich klein natürlich, weit draußen, und ein Loch im Dach kommt auch gern vor. Dann nicken die Musiker meist versonnen und bewundern sich für ihr Durchhaltevermögen. Daran, dass eine unzulängliche Umgebung jungen Combos aber auch die Freude am Üben nehmen kann, setzt das aktuelle Projekt an.

„Viele Leipziger Bands proben unter katastrophalen Umständen: in schlecht isolierten Räumen ohne fließendes Wasser und sanitäre Anlagen“, konstatiert René Emmrich, Mitglied des Bandcommunity-Vereins. Immer mehr Räume werden geschlossen, und die offiziell geschätzten 200 Leipziger Bands wissen nicht, wohin mit sich. In der Saarländer Straße nun, vis-à-vis zum Spinnereigelände, hat die Bandcommunity ihre Räume angemietet. Zwar weisen große Schriftzug-Banner schon auf die neue Nutzung des Bildungsgebäudes hin, eine Klingel gibt es allerdings noch nicht. Doch wer der Musik folgt, trifft bald auf die Vereinsmitglieder und ihren Vorsitzenden Andreas Sinschek. Im Erdgeschoss wird er jetzt das neue Büro der Bandcommunity beziehen, die seit Jahren das „Bessere Zeiten“-Festival ausrichtet, gleich nebenan entsteht ein kleiner Imbiss. „Wir wollen einen Platz für Interaktion schaffen, vielleicht entsteht auch wieder ein Stammtisch“, so Sinschek. Vor allem aber geht es um die erste Etage des Gebäudes. Dort befinden sich acht Zimmer, die mit ihren Lamellen- Vorhängen derzeit noch etwas behördlichen Charme verbreiten, in denen es aber bald rocken wird.

Studiotechnik soll die zur Tafel ausgerichteten Schulbänke ersetzen, die momentan noch in den Seminarräumen nebenan stehen. „Innen können die Bands natürlich auch selbst etwas gestalten, wenn sie wollen“, sagt Sinschek. Womit die Wände der Zimmer vermutlich nicht mehr lange genauso blütenweiß bleiben, wie die im Keller derzeit noch strahlen. Denn dort findet sich der dritte Teil des neuen Vereins-Domizils – ein Konzert- und Veranstaltungsraum, in dem etwa 150 Zuschauer Platz finden. Will also eine der künftig eingemieteten Bands ihr Können präsentieren, muss sie ihr Equipment lediglich einmal durchs Haus befördern. Lange suchte die Bandcommunity nach einem Objekt und fand es in direkter Nachbarschaft zu einer Dependance der Stadtwerke und einem Parkplatz.

Stören werden die Jazz-Band, die bereits zugesagt hat, und die Metal-Combo Faced Reality, die direkt am Freitag einzog, dort niemanden. Etwa 25 Gruppen sollen im Lauf der Zeit ihre Zelte im Bandhaus aufschlagen. Dass das Konzept stimmt, zeigt die bereits jetzt immense Resonanz, die der Verein erfährt. Zwar könnte man behaupten, das Haus-Projekt der Bandcommunity bedeute einen Tropfen auf den heißen Stein der Probensituation, doch nicht zuletzt arbeitet der Verein gemeinnützig – stets auf Unterstützung angewiesen, immer an den Grenzen finanzieller Belastbarkeit. Vermutlich legt nicht jede der künftig in Plagwitz probenden Bands die große Karriere hin. Dass dafür aber nicht mehr die vor Kälte zitternden Finger als Rechtfertigung herhalten können, ist der Verdienst eines kleinen Vereins. Theresa Wiedemann

Hallo Leipzig, vom 10.07.2010

Einstöpseln, aufdrehen, Mucke los!

Leipzigs erstes Bandhaus in Lindenau eröffnet

Leipzig hat sein erstes Bandhaus. Doch keine Angst, hier hat sich nicht die nächste gecastete Popgruppe eingemietet. Das Bandhaus in der Saarländer Straße 17 ist das neue Projekt der Leipziger Bandcommunity. „Leipzig hat eine wunderbar vielseitige Bandkultur, doch die Proberäume sind knapp. Dabei ist das ,Bandwohnzimmer’ der Grundstein für das Bestehen und die Entwicklung einer Band“, sagt der Vorsitzende des Vereins Andreas Sinschek. Verschärft hatte sich das Problem erst Anfang diesen Jahres mit der Pleite der Klavierfabrik Pianoforte im Böhlitz-Ehrenberger Hupfeld-Center und dem anschließenden Verkauf der Industriebauten. Die neuen Mietpreise waren für die jungen Musiker unerschwinglich. Spätestens in zwei Jahren drohte ihnen der endgültige Rausschmiss. Die neuen Räume der Bandcommunity im Stadtteil Lindenau in der Nähe vom Spinnereigelände sind bezugsfertig, die ersten Gruppen, wie Faced Reality mit Sänger Stefan Schiebe, sind schon da. Bis zu 40 sollen hier einmal eine neue Herberge finden. „Die Ankündigungsflyer waren noch nicht gedruckt, da kamen schon die ersten Anfragen“, sagt Sinschek. Das Konzept: günstige Mieten, viel Platz, gute Verkehrsanbindung, Veranstaltungsräume und die nächsten Anwohner sind auch weit genug entfernt, um die Verstärker mal so richtig aufzudrehen. Auch ein Tonstudio ist u.a. geplant.

Quelle: http://www.hallo-leipzig.de/

Leipziger Internet Zeitung vom 01.07.2010

Wie die L-IZ Anfang dieses Jahres berichtete, ist die Proberaumsituation in Leipzig keine gute. Im so genannten Hupfeld-Center konnten viele Bands wegen der Mietensituation nicht bleiben - Ersatz musste her. Selbst im Stadtrat wurde das Thema vom Kulturbürgermeister Michael Faber angerissen. Nun soll es starten: das erste Bandhaus in Leipzig.

"Leipzig hat eine wunderbar vielseitige Bandkultur, doch die Proberäume sind knapp. Dabei ist das 'Bandwohnzimmer' der Grundstein für das Bestehen und die Entwicklung einer Band", teilt die Bandcommunity in einer heute erschienenen Pressemitteilung mit.

Dort heißt es auch: "Mit dem nunmehr zweiten größten Projekt neben dem 'Bessere Zeiten Festival', hat sich die Bandcommunity Leipzig dieser Problematik angenommen und versucht mit dem Bandcommunity Bandhaus der Proberaumknappheit ein Ende zu setzen. Hierzu wurden unzählige Gespräche geführt, Objekte besichtigt und schließlich auch ein Geeignetes gefunden."

Ab den 1. Juli soll das nagelneue Bandcommunity Bandhaus in der Saarländer Straße 17 in Leipzig zu finden sein. Im Laufe der nächsten Zeit werden dort neben den 15 Proberäumen auch Flächen für Studios und Veranstaltungen sowie das neue Verwaltungsbüro des Bandcommunity Leipzig e.V. entstehen. Man darf gespannt sein, wann das Bandhaus voll besetzt sein wird und welche illustren Gäste einziehen werden.

Das heißt weiter, dass die Bandcommunity nun endlich ihren Anspruch in Leipzig durchsetzt, für und mit den Musikern zu arbeiten. Neben den "Bessere Zeiten Festival", das im August auf der Festwiese stattfinden wird, veranstaltet die Bandcommunity auch zahlreiche Konzerte in Leipzig. Nun schafft die Bandcommunity mit dem Bandhaus Tatsachen, die im so genannten Hupfeld Center scheinbar verschlafen wurden.

Zu diesem Anlaß möchte die Bandcommunity alle Interessierten am Freitag, den 9. Juli ab 18 Uhr, auf einen Rundgang im Gebäude einladen.

Daniel Thalheim

Quelle: http://www.l-iz.de/Kultur/Lebensart/2010/07/Musikcenter-in-Leipzig-Das-Bandcommunity-Bandhaus.html

Presse

2009

LVZ vom 28.10.2009

,Leipzig wählt Musik‘

Fast ein Jahr lang war der Termin geblockt. Der 27. November gehörte im Plan der Moritzbastei der IG Pop und dem Finale des Bandwettbewerbs „Leipzig wählt Musik“ – bis Booker Rick Barkawitz die Konsequenzen aus den anhaltenden Nicht-Reaktionen der Veranstalter zog und das Event abblies. Obwohl es der vorgegebene Turnus vorsieht – es scheint ganz so, als müsse Leipzig auch 2009 ohne Jahres-Siegerband auskommen.

Von MARK DANIEL

Seit März hat Barkawitz mehrfach versucht, die Organisatoren Marion Kluth und Wieland Kluge zwecks Detail- Besprechung zu erreichen. Wie auch Andere, die verlässlich an der Handy-Mailbox der beiden scheitern, schrieb er Mails in Erinnerung an die Absprache, am letzten November-Freitag das große Finale abzuhalten. Erst Ende Juli trudelte eine knappe Antwort ein. „Wundern uns. Hatten den Termin gar nicht reserviert. M & W“. Barkawitz war baff, denn für ihn galt das Datum nach einer Absprache mit den beiden im November ’08 als gesetzt. Für Verblüffung in der Szene hatte schon Kluths Ankündigung vor vier Jahren gesorgt, aufgrund von „Neustrukturierung“ den jährlich vergebenen Musikpreis für Leipziger Bands nur noch alle 24 Monate auszutragen. Dass nach dem 2007 gefeierten „Leipzig wählt Musik“ (es siegten Safi und Zen Zebra) die aktuelle Auflage zu platzen droht, sorgt für Kopfschütteln.

Der Vorgang hat eine weitere moralische Dimension: Die IG Pop bekam fürs laufende Jahr von der Stadt kommunale Mittel in Höhe von 35 000 Euro, aus denen auch „Leipzig wählt Musik“ finanziert werden sollte – neben Aktionen wie „Ich rappe, ich bin“, „Schaue Musik“, „Klub der Beatboxer“, „Unsere Wand“, „Das irre Kino“ et cetera. Mit dem ursprünglichen IG-Auftrag, Anlaufpunkt und Vermittler für junge Bands zu sein, haben die Aktivitäten schon lange nichts mehr zu tun, die Orientierung in Richtung Jugend- und Sozialarbeit wurde aber vom Kulturamt mitgetragen. Ein fataler Anachronismus: Noch immer zeigt die IG Pop keine Internetpräsenz in Form einer eigenen Website. Kluth meint: „Wir sind keine digitale Gemeinschaft. Wahrhaftig zu sein, bleibt unser Anspruch.“ Im Juni 2008 nannte die IG-Pop-Chefin den 6. Juni diesen Jahres als Bewerbungsschluss für den Musikpreis 2009/10. Eine öffentliche Ausschreibung tauchte allerdings nie auf, weder als Flyer noch als Pressemitteilung, wie es sonst üblich war.

Dennoch soll es in diesem Jahr „eine alternative Version von ,Leipzig wählt Musik‘ geben“, wie es heißt. Der Ort stehe noch nicht fest, es gebe verschiedene Optionen, schreibt Kluth in einer Mail Ende September. Das Kulturamt „steht diesem offensichtlichen Stillstand mit großer Sorge gegenüber“. Lange hielt das Amt schützend die Hand über die IG Pop, obwohl die Kritik seit Jahren wächst, der Ruf beschädigt ist, Musiker den Verein als Ansprechpartner abgehakt haben und lieber die Bandcommunity kontaktieren. Doch auch die kommunale Langzeittreue hat ein Verfallsdatum: Schon vor gut zwölf Monaten kündigte Kulturamts- Chefin Susanne Kucharski-Huniat der IG das Auslaufen der institutionellen Förderung ab 2010 an. Für das aktuelle Jahr stieg erstmals die Bandcommunity in diesen begehrten Förderstatus (mit 24 460 Euro), der mehr Planungssicherheit verspricht als die Projektförderung. Mit der muss sich die IG Pop nun ab 2010 begnügen, ein deutliches Herunterfahren der momentanen Summe dürfte die Konsequenz sein. Marion Kluth kündigt an, dass „Leipzig wählt Musik“ in der bisherigen Form für die IG aufgrund der finanziellen Bedingungen nicht mehr in Frage kommt. Trotzig-blumig formuliert sie das letzte Musikpreis-Finale der IG: Ein „Best of Leipzig der letzten 19 Jahre“ soll es geben. „Die Auswahl trifft die IG Pop als Mutter und Vater der Aktion“. Die Übergabe der Preise sei in erlesenem Rahmen für den 5. und 6. Dezember vorgesehen. Wo auch immer. Einst firmierte das Ein-Tages-Festival unter „Rockwettbewerb“. Bis 2004 nannte die IG es „Der große Preis – Leipzig wählt die Band des Jahres“, 2005 hieß es „Leipzig wählt die Band“, zuletzt dann „Leipzig wählt Musik“.

Die irritierenden Neu-Benennungen gehören aber zu den Petitessen bei der jahrelang gewachsenen Kritik an der IG, die öffentlich kaum noch Präsenz zeigt. Nun gilt es, die Zukunft der angesehenen Veranstaltung als Podium für hoffnungsvolle Leipziger Bands zu klären. Andreas Mehnert, im Kulturamt für Musik zuständig, „würde es begrüßen, wenn sich ein anderer Partner für die Durchführung findet, sollte die IG Pop – aus welchen Gründen auch immer – das Projekt nicht fortsetzen können“. Bestürzend realitätsfern und selbstgerecht klingt das Manifest von Kluth: „Leipzig ohne IG Pop wäre ein Verlust für die Stadt. Unsere Liebe zu guter Musik und den Menschen, die sie machen, ist nicht ersetzbar.“ MB-Booker Rick Barkawitz erwägt, im Schulterschluss mit anderen Kulturmachern die Wahl zur Band des Jahres fortzuführen. Ende September reichte er einen Fördermittelantrag bei der Stadt ein. Kollege Roland Bergner vom Werk II signalisierte Kooperationsbereitschaft – vorsorglich sind bereits zwei Termine für Oktober 2010 geblockt.

 

Rockland Sachsen-Anhalt

Radiointerview

auf Rockland Sachsen-Anhalt mit Katja Engemann zum Bewerbungsaufruf zum Bessere-Zeiten-Festival. anhören

Youtube

Bessere Zeiten Bandclash

YouTube - BessereZeiten

Presse

2008

LVZ vom 17.12.2008

Bewerbungen für „Bessere Zeiten“ ab Januar

Es war ein Versuch, damals, im Jahr 2005. Inzwischen ist es zur Tradition gereift, das Festival namens Bessere Zeiten. In jedem Spätsommer gibt die Bandcommunity Leipzig jungen spannenden Combos aus der Region eine große Bühne auf der Festwiese Leipzig mit mehreren Tausend Zuschauern, die das Ganze bei freiem Eintritt genießen dürfen.

Die fünfte Bessere-Zeiten-Ausgabe steigt 2009 schon am 15. August. Vom 1.Januar bis zum 1. März 2009 können sich Nachwuchsbands um einen Platz im begehrten Line-up bewerben. Dafür reicht eine Demo-CD und das ausgefüllte Bewerbungsschreiben, das man sich unter www.bandcommunity-leipzig.org oder auf www.bessere-zeiten-festival.org herunterladen kann. Die Bedingungen: Zugelassen werden nur Bands aus Leipzig und Umgebung ohne Plattenvertrag und die keine Vorlagen covern, sondern eigene Titel drauf haben.

Für die 2008er Ausgabe fischte das Organisations-Team neun Bands aus über 120 Einsendungen für das etwa achtstündige Open Air. Den Zuschlag bekamen Crowd, Tom Twist, Stone Wedge,Plasmic Ocean, Rough Roostars, Faced Reality, Dante’s Dream, Erste Adresse und Magnetcrotch & Ironmouth.

Weil das Festival nur mit der Hilfe von Helfern und Spendern funktioniert, ist die Bandcommunity Leipzig auch in diesem Jahr auf Förderer angewiesen, um das Ziel, jungen Bands wieder eine Bühne zu bieten, zu realisieren. Wer dem Verein unter die Arme greifen möchte, kann eine Mail an info@bandcommunity-leipzig.de schicken. MaD

MDR Beitrag vom 08.09.2008

Bessere Zeiten

http://youtu.be/IS6e_rE6ueo

LVZ vom 08.09.2008

Eitel Sonnenschein

Trotz einiger meteorologischer Katastrophen herrscht beim vierten Bessere-Zeiten-Festival eitel Sonnenschein

Das Wetter meint es nicht gut mit ihnen, aber sie bleiben guter Dinge: Veranstalter, Akteure, Helfer und Zuschauer machten aus dem vierten Bessere-Zeiten-Festival am Samstag auf der Festwiese vor dem Zentralstadion vielleicht nicht unbedingt das trockenste – aber trotzdem ein großartiges Musikerlebnis. Der Ablauf ließe sich auf verschiedene Weisen darstellen: chronologisch, nach Höhepunkten sortiert oder eingeteilt in die verschiedenen meteorologischen Katastrophen, die ein solches Freiluft-Ereignis hart treffen können: Vor dem großen Regen zum Beispiel hängt der Himmel noch voller – nicht Geigen, sondern Gitarren. Und einem Kontrabass.
Erste Adresse, Gewinner einiger Wettbewerbe, ziehen das Los des Kürzeren und dürfen das Festival, das einst im Leipziger Mühlholz seinen Anfang nahm, eröffnen. Mit der nachfolgenden kraftvollen Rockabilly-Band Tom Twist verbindet sie vor allem eins: ein zu diesem Zeitpunkt gerade mal langsam eintrudelndes Publikum. Die später spielenden Gruppen dagegen müssen ihre Zuschauer gegen einen Regen verteidigen, der an Heftigkeit und Beharrlichkeit kaum zu überbieten ist. Er schlägt die Menge, die zwischenzeitlich doch da ist, glatt in die Flucht. Schade, es hätte noch so viel zu sehen gegeben: Dante’s Dream wunderschönen Leipziger Indie-Pop im Regen; den 70er-Jahre-Monster-Rock der Chemnitzer Plasmic Ocean, der nebenbei vor Augen führt, weshalb junge Leute damals den Punk-Rock erfanden; den mitreißenden, melodischen Hardcore-Punk der Leipziger M.C.I.M. – Magnetcrotch and Ironmouth.
Ein wenig nach Klonen amerikanischer Hardcore-Bands klingen die Rough Roostars aus Berlin. Das Gute an ihnen ist, dass sie sich an Bands wie Lag Wagon und Good Riddance orientieren und sich mit ihrer Umwelt auseinandersetzen. Deutlich härter gehen Crowd aus Leipzig mit ihrem brachialen Deathcore zur Sache. Für Metal-Fans bietet das Festival im Anschluss einen weiteren Höhepunkt: Faced Reality mit mal schönem, mal knallhart krachendem Death-Metal.
Richtig gruselig wird es zu später Stunde. Beim Spektakel „Karambollage“ ringen Feuerspucker und Feuer speiende Stelzenläufer miteinander: toll. Vor Stonewedge, der letzten Band des Festivals, schießt ein Feuerwerk in den Himmel. Der Stoner-Rock mit 70er-Jahre-Wurzeln der Leipziger Gruppe beschließt die Nacht. Da fällt nicht mehr jedem der Abschied schwer, zumal der Regen bereits lange vorher ein paar neue Phasen zwischen Nieseln und Gießkanne ausprobiert hat.
Beim Veranstalter trotz Regens eitel Sonnenschein: Stephan Schliewe von der Bandcommunity grinsend: „Wenn die Leute alle zufrieden sind, sind wir es auch.“ Schade trotzdem. Ohne den September-Monsun wären wohl mehr als die 2000 Zuschauer da gewesen, waren es doch vergangenes Jahr immerhin 3000. Markus Wittpenn

LVZ vom 06.09.2008

Vom Campingplatz auf die Festwiese

Jugendprojekt „Karambolage“ endet mit Auftritt beim Bessere-Zeiten-Festival

Verglichen mit den Bands aus Leipzig,Chemnitz und Berlin, die heute beimBessere-Zeiten-Festival auf der Bühnestehen, haben die ebenfalls dort auftretendenjungen Jongleure, Feuerkünstlerund Akrobaten vom „Karambolage-YouthFireTheatre“ eine längere Anreisehinter sich. Sie kommen aus Lissabon,Barcelona, dem französischenTour, dem polnischen Czestochowa unddem ungarischen Bag. Einige von ihnenstudieren an einer Zirkusschule, andereverdienen sich mit Feuershows ihrenLebensunterhalt. Nach Leipzig geladenwurden sie vom Zollschuppen-Vereinaus Plagwitz.
  Von FRANK SCHUBERT
Auf einer Wiese am Kulkwitzer Seeführt eine Handvoll junger Leute seltsame,tänzerische Bewegungen vor. AmRand liegen Jonglier-Utensilien und Samba-Trommeln. Aufmerksam verfolgt wirddie Performance nicht nur von etwa 30weiteren, ähnlich bunt Gekleideten, sondernauch von zwei älteren Camping-Pärchen,die daneben an ihren Klapptischensitzen. „Einer der Camper hat auch malbei unserem morgendlichen Warm-Upmitgemacht und sich dabei fotografierenlassen“, erzählt Stefan Kurth davon, wiegut die Bewegungskünstler bei ihrenNachbarn ankommen. Der 28-jährigePsychologie-Student ist einer der Organisatorender unter anderem durch dasEU-Programm „Jugend in Aktion“ gefördertenJugendbegegnung.Die Idee zum Projekt ist den Zollschuppen-Leuten nach einem Zirkus-Workshopin Polen gekommen, an dem einige vonihnen teilnahmen. In der Zollschuppenstraßeist mit den „Lichtgestalten“ seit etwazwei Jahren eine Gruppe zu Hause,die sich ebenfalls den Pyro-Künsten verschriebenhat. Die Szene der Feuer-Jongleurehat in letzter Zeit europaweit einengewaltigen Zuwachs erfahren. „Ich warneulich auf der Juggling-Convention inKarlsruhe. Die war mit mehreren TausendBesuchern aus allen möglichen Länderndie bisher größte Zusammenkunftdieser Art“, erinnert sich Andreas Röcklebe,der ebenfalls zu den Karambolage-Organisatoren gehört. Auch in Leipzigsieht man im Sommer bei Partys oder imPark immer öfter Menschen, die mit Bällenoder Keulen jonglieren, mit brennendenStäben herumwirbeln oder Pois kreisenlassen. „Das ist einfach eine neueForm von Bewegung, die viele fasziniert“,erklärt Röcklebe diesen Trend. Hinzukomme der Adrenalin-Kick beim Spielmit dem Feuer.Seit vergangenem Donnerstag bereitensich die Jongleure und Akrobaten bereitsauf ihren großen Auftritt auf der Festwiesevor. „Die Workshops werden von denTeilnehmern selbst geleitet. Jeder zeigtden anderen, was er kann“, erklärt StefanKurth. Wie bei seinen anderen Projektensetzt der Zollschuppen-Vereinauch bei Karambolage auf das Prinzipder Selbstorganisation. So haben etwadie Portugiesen ein Trapez für Luftakrobatikmitgebracht. Die Katalanen steuernPyro-Technik bei, die heute Abend beimgroßen Feuerwerk zum Einsatz kommenwird.Neben diversen Jonglage- und Akrobatik-Darbietungen werden auch tänzerischeElemente und Percussion-Nummernin den Auftritt eingebaut. Sich auf einegemeinsame Dramaturgie zu einigen, istbei so einem komplexen Schauspiel nichteinfach. Und das nicht nur wegen derverschiedenen Sprachen, in denen dieIdeen dazu in den Raum geworfen werden.Arbeitssprache ist eigentlich Englisch,aber auch Portugiesisch undDeutsch sind immer mal zu hören. ZumGlück gehören zum Programm auch Seminarezum Thema interkulturelle Kommunikationund zum Stressabbau.Nur zum Kennenlernen der Stadt warbisher noch keine Zeit. Lediglich zum Abstecherins Zeitgeschichtliche Forum hates gereicht. Nach den ruhigen Tagen aufdem Campingplatz am Kulkwitzer Seesind die Künstler vorgestern in die Gieszerstraße16 umgezogen. Hier feilen sieweiter an Choreographien und basteln anRequisiten und verwegenen Konstruktionen,die heute auf der Festwiese die Zuschauerzum Staunen bringen sollen.

LVZ vom 04.09.2008

Acht Bands rocken die Festwiese

Seit 2005 dräuen Bessere Zeiten. In diesem späten Sommer belegt das Ein-Tages-Festival also zum vierten Mal die Festwiese, um Nachwuchsbands aus der Region eine Bühne und ein üppiges Publikum zu bieten. Inzwischen gehört Bessere Zeiten zu den größten Musikveranstaltungen mit Rahmenprogramm in und um Leipzig – bei freiem Eintritt hagelt es viel versprechende Acts.
Erneut hofft der Veranstalter, die Bandcommunity Leipzig, auf eine vierstellige Besucherzahl; neben und zwischen den Gigs schließen eine Spielstraße für Kinder, Lesungen und Kleinkunst-Aktionen Langweile aus. Wieder wird es Stände für Merchandising, Vorstellung der Vereine und Sponsoren, Verkaufsstände und Ausstellungsflächen für junge Künstler geben.
Dieses Mal hat das Organisations-Team aus über 120 Demotapes neun Bands gefischt. Für die vierte Auflage des etwa achtstündigen Open Airs hatten sich mehr Combos beworben als je zuvor; 2007 waren’s 111, 2006 und 2005 jeweils 90. Die am Samstag auftretenden neun Bands kommen aus Leipzig, Chemnitz und Berlin. Crowd, Tom Twist, Stone Wedge, Plasmic Ocean, Rough Roostars, Faced Reality, Dante’s Dream, Erste Adresse und Magnetcrotch & Ironmouth sind die Glücklichen, die mit Death Metal, Progressive Rock, deutschem Pop, Punk, Indie, Electronic und Rockabilly eine große Bandbreite liefern.
Zum Rahmenprogramm gehört unter anderem das Feuerspektakel „Karambolage“ vom Youth Fire Theatre. Als Höhepunkt des internationalen Jugendaustauschs des Zollschuppen-Vereins bieten 35 junge Künstler aus sechs Ländern eine Show mit Feuerjongleuren, Theater, Pyrotechnik, Artistik und Tanz.
Parallel zu den Vorbereitungen schicken die Beteiligten regelmäßig einen flehenden Blick zum Himmel: Bislang sind 25 Grad angekündigt, aber auch ein Gewitter. Möge es sich erst am späteren Abend austoben. Das wären gute Zeichen für bessere Zeiten. Mark Daniel